| Museen Und Archäologische Parks: Griechisch erste Kolonie in Sizilien. |
Fast an der Spitze der Halbinsel Schisò gelegen und an die Überreste der kleinen Festung aus dem 17.-18. Jahrhundert angelehnt, sammelt das Archäologische Museum von Naxos hauptsächlich archäologische Fundstücke, die in kürzlich im Gebiet der antiken Kolonie stattgefundenen Ausgrabungen wiederentdeckt worden sind. Im Erdgeschoss werden Materialien aus dem prähistorischen Zeitalter ausgestellt, die die Frequentation des antiken Ortes von der Jungsteinzeit an dokumentieren. |
| Vasen und spätgeometrische korinthische Fragmente (Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr.) neben zahlreichen anderen Stücken und Kopien dokumentieren das andere Altertum der Kolonie und ihrer Ursprünge. |
| Im zweiten Stock werden die unterschiedlichen Lebensphasen der Stadt vom 7. Jahrhundert an bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. veranschaulicht. In dieser Ausstellung tauchen sowohl Vasen als auch Statuetten auf, Objekte, die alle mit der materiellen Kultur verbunden sind, sowie Instrumente des allgemeinen Gebrauchs wie Lampen und Gewichte für Webrahmen. |
Gottheiten darstellende Statuetten aus Ton und weibliche Protome belegen gemeinsam mit anderen Weihegaben und Exemplaren von Silenmasken aus Stirnziegeln und bunten architektonischen Vertäfelungen die Blüte der Wallfahrtsorte und der kulturellen Gebiete im Verlauf des 6. Jahrhunderts v. Chr. Einige Vitrinen im unteren und oberen Stockwerk sind Objekten, die zu Leichen- und Grabesausstattungen sowohl aus dem archaischen Zeitalter als auch aus dem klassischen und hellenistischen Zeitalter gewidmet. Und schließlich bezeugen Objekte, die dem römischen und byzantinischen Zeitalter zugeordnet werden können, das Überleben der Ortschaft bis zur Schwelle des Mittelalters. |
Heidelberg Naxos Relief:
Das Relief mit Sphinx und Pflanzenmotiven ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Produktionen der ehemaligen Naxosbewohner, die im 6. Jahrhundert v. Chr. aktiv waren. Noch interessanter ist die Geschichte ihrer Wiederzusammenfügung: das größere Fragment wurde in Naxos gekauft und dort aufbewahrt; das andere wurde 1904 von einem berühmten deutschen Archäologen, Friederich Von Duhn, erworben und im Museum der Universität Heidelberg untergebracht. 1985 entdeckt Paola Pelagatti, dass die beiden Fragmente zum selben Relief gehören, aber erst 1997 wird das Fragment von Heidelberg dem Museum von Naxos überlassen, so dass die Wiederzusammenfügung des Relief möglich wird. |
|
Der Archäologische Park:
Seine Ursprünge reichen bis in die Zeit der Geburt der Stadtkultur des Westens zurück. Als erste griechische Kolonie in Sizilien wurde er um 734 v.Chr. von den Calcidesen aus Eubea gegründet, zu denen sich, wie mittlerweile als sicher gilt, die Bewohner der großen ägäischen Insel vereinigten.
Die Stadt gedeiht im archaischen Zeitalter und wird in den ersten Jahren des 5. Jahrhunderts v. Chr. von Ierone nach einem streng geregelten Plan wiederaufgebaut. 403 v.Chr. wird sie von Dionysos I von Syrakus zerstört, der ihre Stadtmauern niederreißt, die Bewohner versklavt und das Stadtgebiet den nahen sikulischen Stämmen vermacht, um die Stadt dafür zu bestrafen, sich im Konflikt mit Syrakus auf die Seite der Athener geschlagen zu haben.
|
Nach diesem Ereignis hat Naxos nie wieder Stadtrang, auch wenn sein Hafen während der ganzen Antike aktiv bleibt. Das städtische Leben verlegt sich nach Taormina, das 358 v.Chr. von Andromache gegründet wird, Vater des Historikers Timaus, der dort die Verbannten Naxos’ aufnimmt. Die Geschichte der Stadt wird also in weniger als drei Jahrhunderten beschlossen. Dieser Umstand, der von archäologischen Funden bestätigt wird, macht aus Naxos einen bevorzugten Beobachtungsort, um den antiken Städtebau der griechischen Städte im Westen zu erforschen.
Das antike Naxos besetzt die Lavaplattform der Halbinsel Schisò und die im Norden angrenzenden Gebiete auf einer Oberfläche von 40 Hektar. Es wird im Südosten vom Sturzbach Santa Venera und im Nordosten von der Bucht eingegrenzt. Diese ausgedehnte Bucht zwischen Kap Taormina und Kap Schisò war natürliche Anlegestelle für Schiffe, die von den Strömungen Capo Spartiventos oder vom Capo dell'Armi in Kalabrien hergetrieben wurden: die ersten griechischen Schiffe folgten diesem Kurs, der nicht weiter als 40 km Luftlinie ist. In diesem Zusammenhang erzählt Ephor, dass das Schiff des nach der Naxoskolonie ausgesandten Teocles von den Winden nach Sizilien mitgerissen wurde.
|
|
Die Archaische Stadt(7. - 8. JH. V. CHR.):
Die archäologischen Funde führen zu der Annahme, dass die erste Siedlung am Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. eine verkleinerte Oberfläche einnahm, und zwar nicht mehr als 10 Hektar: es handelt sich um die Gebiete der Halbinsel, die die Bucht umsäumen, wo Spuren und Überreste entdeckt wurden, die stichhaltig auf das Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. datierbar sind. Im Laufe des 7. Jahrhunderts nahm der Ort allmählich die Gestalt einer Stadt an. Die Anlage, die später von der nach strengen Regeln erbauten neuen Anlage aus dem 5. Jahrhundert ersetzt wurde, wird von der Koexistenz verschiedener Ausrichtungen charakterisiert, wie die Überreste der entdeckten Straßennetze nahelegen. Unter diesen kommen wichtige Verkehrsadern mit Nordsüdachse zum Vorschein: breiter als die anderen, sicherten sie die Verbindung zwischen der Küste und dem Landesinneren. Religiöse Gebäude oder Heiligtümer stehen im Inneren des archaischen Stadtnetzes im Rampenlicht. Sehr einfache rechteckige Bauten, frei von Außenkollonaden, erhielten Pracht und durch bunte Vorbauverkleidungen und hölzerne Dachkanten und durch Giebelverzierungen. Die Anlage des sakralen Bereiches geht auf die letzten Jahre des 7. Jahrhunderts v. Chr. zurück: die Anlage des sakralen Bereiches bei den Quellen des Sturzbaches S. Venera war einer der größten Wallfahrtsorte der Stadt. S ehr bedeutend und selten ist die südliche Wandfläche des témenos: Die Lavablöcke der äußeren Wandfläche sind auf der Oberfläche geglättet und an den Rändern gerundet, so dass die Verbindungslinien zwischen den Blöcken als Kurven erscheinen. Die Ursprünge dieser Technik sind in Ostgriechenland auffindbar, wo sich der Großteil der Exemplare konzentriert. In den Kolonien des Westens widerum wurde diese Technik sehr selten aufgefunden, und nie aus einer so antiken Zeit wie in Naxos. Naxos ist einer der Orte der Ostküste Siziliens, der den Großteil der Brennöfen für das Brennen der Manufakturen aus Terracotta vom archaischen Zeitalter über das spätrömische und byzantinische Zeitalter und bis zu unserem Zeitalter wiederhergestellt hat. Das Material wurde zuerst von den hinter der Bucht liegenden Lehmhügeln geliefert. Diese Handwerksanlagen lagen größtenteils außerhalb der Stadt. Dort befinden sich bis heute Brennöfen, und auch im Inneren des Stadtgebietes sind solche aufzufinden; jene gehören sogar zu den antikesten. E in weiteres imposantes Werk sind die Befestigungsmauern, die vielleicht als Begleiterscheinung des Angriffs von Hippokrates am Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. mit großen kaum zugehauenen Lavablöcken erbaut wurden und deren Verlauf fast vollkommen bestimmt worden ist; sie besteht aus einer doppelten Wand, deren Dicke 4,60 m erreicht und die von vier offenen Toren unterbrochen wird, wo die Mündungen der Stadtstraßen waren. Die ersten Münzprägungen in Silber der Münzprägerei von Naxos fanden am Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. statt und waren ein konkretes Zeichen dafür, dass die Gesellschaft mittlerweile wohlhabend, fortschrittlich und von einer komplexen Struktur war. Die Münzen gehören zu den ältesten Siziliens und zeigen auf der Vorderseite das Haupt Dionysos und auf der Rückseite Weintrauben. |
 |
|
Die stadt im 5. Jahrhundert:
Die archäologischen Forschungen entdeckten und unterscheiden eine zweite Stadtanlage, die präzise geometrische Unterteilungen des Raumes abzeichnet. Drei Straßenachsen durchqueren die Stadt in Ost-West-Richtung, treffen in regelmäßigen Abständen auf eine Reihe Kreuzungen mit Nord-Süd-Verkehrsadern und umrahmen in der zentralen Gegend sehr lange, rechteckige Häuserblöcke. Viereckige Sockel von identischer Größe wiederholen sich an jeder Kreuzung, die immer die selbe Position beibehalten und vielleicht die Funktion eines Altars erfüllen sollten. I m klassischen Zeitalter prägt die Münzprägerei von Naxos Silbermünzen auf hervorragendem künstlerischem Niveau. Sie stellen auf der Vorderseite abermals das Haupt des Dionysos dar, während auf der Rückseite ein zurechtgemachter Silen die Weintrauben ersetzt. |
|
|
|
|